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Es war einmal ein einsamer Psion LZ in China - 1987
Von Boris Michael von
Luhovoy (Publishing editor, Palmtop-Pro Magazin)
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Das "Reich der Mitte" war nach der Ära der roten Garden instabil und die kommunistische Partei Chinas befand sich in einem schmerzlichen inneren Konsolidierungsprozess. Die Viererbande und Teile der Roten Garden standen gerade vor Gericht (oder dem Gericht vor), als ich den Auftrag bekam, in Wuhan mehrere Schiffsladungen chinesischer Baumwolle und Baumwollgarn vor der Verschiffung am Herstellerort technisch zu inspizieren und für den Versand freizugeben.
Unter den diffizilen Umständen ein Visum zu erhalten, bedurfte es damals der direkten Zustimmung des Zentralkomitees in Beijing. Aber es sollte sich rasch herausstellen, daß die Sorgen, die sich die ausländischen Medien um China machten, wie so oft nur konstruiert waren.
Nonstop-Flüge von Europa nach Fernost gab es noch nicht. Mein Reiseweg führte also über Anchorage/Alaska und den Nordpol nach Beijing. Von dort ging es weiter, teils mit dem Zug, teils mehrere Tage mit einem ehemaligen britischen Kanonenboot den Yangtse aufwärts.
Ich ahnte bereits vorher, daß mir auf dieser umständlichen Reise schweres Gepäck hinderlich sein würde. So ließ ich denn wohlweislich den großen Stapel mit den Fachbüchern zuhause. Nur die notwendigsten Unterlagen fanden in meinen Koffern Platz und ersatzweise ein Psion Organizer II.
Der Psion Organizer II war und ist ein ungemein robuster Kleincomputer, der alles, was man essentiell braucht, bombensicher kann, wenn auch schon wegen des kleinen Displays etwas umständlich. Er verfügt über ein mehrzeiliges unbeleuchtetes schwarz/weiß-Display, zwei Einschübe für Speicher oder Programmodule und am oberen Ende einen RS232-Port.
Der Organizer läuft mit einer 9-Volt-Zelle tatsächlich ewig. Das Ding kommt in einer auf dieser Welt vermutlich unzerstörbaren und ungemein zähen, unaufdringlichen Kombination aus einer Industrieplastik- und Metall- Kombination daher. Es ist von Haus aus mit allen Anwendungen ausgerüstet, die man so braucht oder besser gesagt, die man damals in der Vor-Internet-Ära für wichtig hielt: Datenbank, Taschenrechner, Terminkalender mit Alarmfunktion, Uhr mit Stopp- und Timerfunktion, Notizblock und noch weitere Nützlichkeiten.
Besonders hervorzuheben ist vor allem OPL, die ebenfalls an Bord befindliche und von dem Psion-Gründer David Potter entwickelte "Organizer Programming Language". Sie ermöglicht(e) es praktisch jedermann, den Organizer auf seine spezifischen Anforderungen hin anzupassen. Ich habe sie damals benutzt, um die Standardroutinen zur statistischen Auswertung der vor Ort in China zu erwartenden Untersuchungen und weitere Spezialprogramme zu programmieren.
Beim Besuch des ersten Baumwollforschungsinstitutes wurde ich in ein hypermodernes Labor geführt, das mit den teuersten und besten Labormeßgeräten der Schweizer Firma Uster ausgerüstet war. Zu meiner Überraschung begrüßte mich eine reizende, unglaublich hübsche Chinesin als Laborleiterin - in perfekten Schweizerdeutsch, das sie während der Ausbildung bei Uster erlernt hatte. Gleich hinter ihr tauchte bedrohlich eine Armada von Mathematikern, Statistikern und Baumwollexperten auf, mit denen ich zusammen die Qualitäten der zu verschiffenden Baumwolle bestimmen sollte.
In der Folge zogen wir unsere Proben gemeinsam, ermittelten die Werte an den Laborgeräten und dann ging es ans Rechnen. Ich benutzte meinen Psion, die Chinesen einen Abakus - tatsächlich! Dann saßen wir uns gegenüber wie Pokerspieler, wenigstens 30 solide Experten auf der einen und ich auf der anderen Seite - jeder mit seinem Zettel in der Hand. Ich deckte meine Ergebnisse zuerst auf, was nicht sehr klug war, denn unsere Ergebnisse divergierten. Nicht gerade viel, aber unsere Ergebnisse waren eben nicht deckungsgleich. Weil ich wusste, dass ich den Rechenkünsten meines Psions und den OPL-Programmen trauen konnte, lag der Fehler wohl bei meinem Gegenüber.
Eine verzwickte Situation. In China gilt: Es ist wichtiger, das Gesicht des Gegenüber zu bewahren als auf seinem Recht zu beharren. Eine gute Lösung musste also her. So zeigte und erklärte ich meinen Partnern das entscheidende OPL-Programm. Wir erarbeiteten dann gemeinsam eine unwesentliche Änderung, bei der zwar die selben Ergebnisse wie zuvor herauskamen, aber die Chinesen hatten ihr Gesicht wahren und den "Fehler" auf dem Computer der "Langnase" beheben können. Die Folge: Sie haben unser "international erarbeitetes Programm" als gültig für die gesamten Lieferungen anerkannt.
Diese exemplarische Begebenheit zeigt: Die ersten PDAs waren noch echte "Computer", zusammengeschrumpft auf ein mobil handhabbares Format. Sie taten das, wofür sie konstruierte waren - sie halfen dem Benutzer effektiver zu werden und waren durch ihre individuelle Konfigurierbarkeit ("OPL") in vielen Lebenslagen ein nützliches Werkzeug. Und das ganze nicht für 2, 4 oder 10 Stunden, sondern über Wochen mit einem einzigen Batteriesatz. Mit dem Organizer II hätte man zudem auch 100er Nägel in den Dachstuhl schlagen können ...
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Der Rest des Artikels, eine spitzzüngige Auseinandersetzung mit den derzeitigen Entwicklungen am Handheld-Markt (play & pay', Psions Implosion in einem grandiosen Marketingimpotenz-Feuerwerk, der lemmingartig kopierte Palm-Formfaktor,...) ist in der Mai-Ausgabe des Palm Top Magazisn (www.palmtop-pro.com) ab 7.5.2002 nachzulesen oder hier (mit Bildern).
© Palmtop-Pro
Magazin
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